Don Bosco Stifterfest 2024: Engagement verbindet

Veröffentlicht am: 13. Mai 2024

Vertrauen, Herzlichkeit, etwas Hagel und viel Emotion

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Im Kloster Benediktbeuern trafen sich am 26. und 27. April 2024 Stifterinnen, Förderer, Salesianer und engagierte Mitarbeitende aus ganz Deutschland zum Stifterfest.

Die Welt, wie sie mir gefällt

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Pater Claudius eröffnete das Stifterfest am Samstag mit einem Vergleich des stifterischen Engagements mit dem Wirken von Astrid Lindgren. Diese hatte ihre unerschrockene Heldin Pippi Langstrumpf erfunden zur Aufmunterung und Begleitung ihrer erkrankten Tochter. Über Jahre hinweg formte sie die Abenteuer des wilden Mädchens und prägte damit die Welt vieler Kinder. Pater Claudius betonte, dass wir vielleicht die Welt nicht ganz genau nach unserem Belieben formen könnten, wie es im Lied von Pippi Langstrumpf heißt: „Ich mache mir die Welt, widewidewie sie mir gefällt.“ Doch durch unser Engagement für andere können wir sie zum Guten verändern. Dabei verwies er auf den letzten Stifterbrief, der viele Beispiele für die Wirkung des stifterischen Engagements enthielt: Eine Stiftung ermöglicht den Bosco Boys in Kenia eine ganzheitliche Bildung, eine andere sorgt dafür, dass die Jungs in Sannerz etwas erleben – Klettern oder Wandern zum Beispiel, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben. So verändern Stifterinnen und Stifter, Förderinnen und Förderer die Welt junger Menschen und machen sie so besser.

Pater Claudius berichtete anschließend von einem bewegenden Moment in Aschau. Ein Jugendlicher, der sich nur über Gesten mitteilt und ansonsten nur mit Vertrauenspersonen spricht, drückte erstmals seine Gedanken in Form einer schriftlichen Handynachricht aus – inspiriert durch das aufgeschlossene Verhalten eines Ausbilders ihm gegenüber.  Auch wenn es sich lediglich um einen kurzen Text auf einem Display handelte, war es für den jungen Mann eine Besonderheit und verdeutlichte eindrücklich, wie wertvoll das Engagement für junge Menschen ist. Genau darum dreht sich das Don Bosco Stifterfest.

Im Vertrauen

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Pater Stefan Stöhr und Dr. Manfred Koch führten die Gäste des Stifterfests durch die strategischen Themen des Don Bosco Stiftungszentrums, die von der effektiven Nutzung der Ressourcen bis hin zur nachhaltigen Anlage des Stiftungsvermögens sowie den jüngsten Entwicklungen in der Stiftungslandschaft reichten. Dabei betonte Pater Stöhr die essenzielle Bedeutung eines vertrauensvollen Verhältnisses zwischen den Stiftern und den Salesianern. Dieses Vertrauen basiere auf einem gemeinsamen Ziel: der Förderung und Unterstützung junger Menschen.

Im Anschluss daran hieß Provinzial Pater Reinhard Gesing die neuen Stifterinnen und Stifter herzlich in der Don Bosco Stifterfamilie willkommen. Als Dank für ihr Engagement überreichte er ihnen die Don Bosco Medaille.

 

Vom Hagel und anderen Körnern

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Die Spuren des verheerenden Hagelunwetters, das im August 2023 über das Kloster Benediktbeuern und einige umliegenden Dörfer hereinbrach, sind auch heute noch unübersehbar. Mehrere Kräne säumen das Gelände, mit Planen bedeckte Dächer und abgesperrte Gebäudeteile zeugen von den Auswirkungen der Naturkatastrophe. Franz Wasensteiner, Einrichtungsleiter des Klosters, schilderte eindringlich die Zerstörung, die der Hagel innerhalb von nur zehn Minuten verursacht hatte. Zahlreiche Tiere fielen der Katastrophe zum Opfer, darunter ein Pferd, mehrere Rehe, Störche und ungezählte Kleintiere. Das größte Hagelkorn, das man aufbewahrt hat, misst beeindruckende 18 cm im Durchmesser. Auch Insekten, Schmetterlinge, Blüten waren nach der Naturkatastrophe verschwunden und eine ungewohnte Stille lag über der Gegend, bis sich nach wenigen Wochen wieder Leben regte. Die ersten, die nach dem Anfangsschock beherzt anpackten, waren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zu diesem Zeitpunkt im Kloster wohnten – Studenten, Volontäre, Mitarbeiter, Gäste. Mit großem Einsatz schafften sie den Schutt weg und räumten Wege frei. Obwohl seitdem viel geleistet wurde, wird der Wiederaufbau noch Jahre dauern.

Die Jugendarbeit im Kloster wurde trotz allem schnell wieder aufgenommen. Ein herausragendes Projekt, präsentiert von Bildungsreferent Lars Fendrich und Michael Eibl, einem der ersten Helfer nach dem Hagelsturm, ist die Neugestaltung des Gartens. Dieses Partizipationsprojekt begann während der Corona-Pandemie, als die Jugendlichen zu Hause festsaßen und nach Beschäftigung suchten. Seitdem gestalten die Jugendlichen den Garten nach ihren eigenen Ideen – unter anderem entstanden Plätze für Beachvolleyball und Basketball. Man merkt: Hier gestalten Jugendliche für Jugendliche. Auch Themen wie Nachhaltigkeit, Gemeinschaft, Wertschätzung, Demokratie und Partizipation spielen in dem Projekt eine zentrale Rolle. Jeder, der sich dem Projekt anschließt, wird mit offenen Armen empfangen. Auch wenn sich die Angebote und Öffnungszeiten seit dem Unwetter geändert haben – Benediktbeuern ist und bleibt ein „Kloster für die Jugend“.

Bildung mit Kopf, Herz und Hand

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Das Don-Bosco-Zentrum 'Manege' in Berlin, vorgestellt von Einrichtungsleiter Pater Simon Härting, ist eine große Sache: 550 betreute junge Menschen, drei Standorte, hundert Mitarbeitende und ein freundlicher Dackel als Therapiehund. Die Hilfsangebote reichen von Notwohnungen über Projekte für Schulverweigerer bis hin zur Berufsorientierung. Die Manege ist rund um die Uhr geöffnet, um junge Menschen in Not jederzeit willkommen zu heißen: „Schön dass du da bist“. Die Mitarbeitenden der Manege beobachten aufmerksam die Situation jedes einzelnen jungen Menschen, wie und warum er zur Manege gekommen ist und wie man ihm helfen kann.

Doch viele Jugendliche, die dringend Hilfe benötigen, suchen nicht von sich aus Unterstützung. Vielmehr müssen sie aktiv gesucht und aufgesucht werden. Oft haben sie bereits mehrfache Ablehnung, Gleichgültigkeit oder bürokratische Hürden erfahren, wodurch sie resignieren und sich regelrecht verkriechen. Sobald die Manege einen Hinweis auf den Aufenthaltsort erhält, bemühen sich die Pädagogen um Kontakt. Diese „aufsuchende Arbeit“ ist ein Schwerpunkt der Manege. Ein weiterer ist die KiTa. Manchmal lernen Vierjährige hier erst das Sprechen, da zuhause niemand mit ihnen redet. Auch temporäre Lerngruppen bietet die Manege an – für Schulverweigerer, die dadurch einen Wiedereinstieg in die Schule schaffen können. Oft melden sie sich gegen den Willen der Eltern an, da diese ihre Hilfsbedürftigkeit nicht eingestehen wollen. Pater Härting schließt seine Vorstellung mit einem herzlichen Dank an die Unterstützer der Manege: „Im Eingangsbereich haben wir ein Plakat mit den Fotos des gesamten Manege-Teams aufgehängt. In der Mitte haben wir einen freien Platz gelassen. Er steht für Stifterinnen, Förderer, Unterstützerinnen, Ideengeber. Wir wissen Sie an unserer Seite und sind dankbar dafür!“

Don Bosco weltweit: Äthiopien

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Dr. Nelson Penedo, Geschäftsführer der Don Bosco Mission, stellte den Stifterfestgästen die Situation in Äthiopien dar, wo die Salesianer seit 1976 tätig sind. Das Land erlebte eine der schlimmsten Hungersnöte der Welt in den 80er Jahren, und auch heute ist die humanitäre Lage verheerend. Die anhaltenden Kriege und der Bürgerkrieg, der seit 2020 wütet, haben die meisten Krankenhäuser zerstört. Es gibt kein sauberes Trinkwasser, keine Elektrizität, keine medizinische Versorgung, Millionen Menschen sind Binnenflüchtlinge, Hunderttausende wurden getötet. Wer auf der Flucht ist, sucht Schutz in Hallen, in verwaisten Gebäuden, unter Plastikplanen. Und natürlich in den Don-Bosco-Häusern. Doch vor den willkürlichen Verhaftungen sind auch die Salesianer nicht geschützt. Auch sie wurden inhaftiert und erst Wochen später wieder freigelassen. Die Aufgabe der Salesianer in Äthiopien besteht heute darin, selbst zu überleben und anderen dabei zu helfen, am Leben zu bleiben. Allein in Tigray organisieren sie Nothilfe für 400 Familien und versorgen sie mit lebensnotwendigen Gütern wie Mehl, Öl, Waschmittel, Schulmaterial und Decken. Und vor allem mit Famix – eine mit Multivitaminen angereicherte Kost für Kinder. Abschließend bedankt sich Dr. Penedo für das Interesse und die Unterstützung, die von unschätzbarem Wert sei, um den Menschen in Äthiopien in diesen schwierigen Zeiten zu helfen. Durch seine persönlichen Kontakte zu den Salesianern und Mitarbeitenden vor Ort ist er persönlich stark involviert und sichtlich betroffen von der Situation.

Musikalischer Rahmen

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Eine veritable Klosterband umrahmte das Stifterfest musikalisch und fröhlich. Unter dem Namen „Die Giovanninis“ haben sich ein Student, zwei Mitarbeitende und ein Salesianerbruder in Benediktbeuern zusammengefunden und sorgten bereits zum wiederholten Mal für musikalische Unterhaltung. Besonders bei ihrem Auftritt mit dem Don-Bosco-Song, der von Sängerin Anna als Hymne des Klosters Benediktbeuern beschrieben wurde, die hier „von ganz hinten bis überall“ gesungen würde, stimmten viele der Anwesenden begeistert mit ein: „Vater, du Vater von so vielen“.

Zum Abschluss die Quitte

Selbstgemachtes Quittengelee – lecker! Wie es hergestellt wird, erklärte die Auszubildende Leonie aus dem Don Bosco Berufsbildungswerk in Aschau. Im dortigen Hauswirtschaftsbereich hatte sich eine kleine Gruppe zusammengefunden, um für das Stifterfest Quittengelee zu kochen, in hübsche Gläser zu füllen und als Geschenk zu verpacken. Ob sie es auch probiert hätten? Natürlich! Dieser Abschluss des Stifterfests war mehr als gelungen. Leonie bekam tosenden Applaus und das Gelee wurde gerne in Empfang genommen.

Wie jedes Jahr kamen auch die Begegnungen in den Pausen nicht zu kurz. Viele der Stifter treffen sich jedes Jahr beim Stifterfest. Und auch neue Kontakte wurden geschlossen. Engagement verbindet! Die herzliche Atmosphäre beim Stifterfest ist vielleicht das Eigentliche. Dr. Reinhard Fritz, der zum ersten Mal beim Stifterfest war, formulierte es so: „Ich bin Banker und kenne mich mit Zahlen aus. Mit diesen Emotionen hier habe ich nicht gerechnet. Jeder einzelne scheint sich vom Grunde seines Herzens für Kinder und Jugendliche einzusetzen. Das hat mich sehr berührt.“
Nun können wir uns schon auf das nächste Stifterfest freuen – am 9./10. Mai 2025 in Benediktbeuern.

Fotos: Klaus D. Wolf