Don Bosco Stifterfest 2024: Kamingespräch

Veröffentlicht am: 13. Mai 2024

Die Salesianer Don Boscos im Nahen Osten: Grenzen überwinden, Chancen schaffen

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Im Kloster Benediktbeuern trafen sich am 26. und 27. April 2024 Stifterinnen, Förderer, Salesianer und engagierte Mitarbeitende aus ganz Deutschland zum Stifterfest. Ein Höhepunkt war zweifellos das Kamingespräch mit Pater Alejandro León Mendoza SDB, dem ehemaligen Provinzial der Salesianer im Nahen Osten, am ersten Abend. Er entführte die Zuhörer in eine Welt voller Herausforderungen und Hoffnung. Dr. Nelson Penedo, Geschäftsführer der Don Bosco Mission, moderierte den Abend, der über Spanisch und Italienisch auch einen Ausflug ins Arabische machte.

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Pater Alejandro führte die Gäste durch alle Länder seiner Provinz – Ägypten, Heiliges Land, Libanon und Syrien – und zeigte die Lebenswelten junger Menschen auf sowie die Arbeit der Salesianer vor Ort. „Leben durch Hoffnung“ – angesichts der weit verbreiteten Armut und des Analphabetismus in seiner Provinz, sei dies für viele die Devise. Dennoch sähe man mehr junge Menschen mit einem Lachen im Gesicht als in den Industrienationen. Tanz und Musik helfen ihnen dabei, auch mitten in der Armut ein zufriedenes Leben zu gestalten. Sogar in dem krisengebeutelten Syrien kämpfen die Jugendlichen trotz aller Widrigkeiten für ein gelingendes Leben und entwickeln eine erstaunliche Resilienz und Tatkraft. Nach dem zerstörerischen Erdbeben 2023 waren es die jungen Menschen, die zuerst anpackten und damit die Älteren mitrissen. Gerade in der arabischen Kultur wird wegen des großen Respekts für die Älteren die Stimme der Jugend oft nicht gehört – hier wurde bewiesen, wie wichtig die Jugend für eine funktionierende Gesellschaft ist.

Viele mussten im Salesianerhaus auf den Fluren schlafen, darunter auch alte Menschen, manche sogar im Sitzen. Die Bedarfe überstiegen bei weitem die Möglichkeiten der Salesianer, dennoch arbeiteten sie unermüdlich, um den Opfern zu helfen. Nach fünf Tagen sagte ein Mann zu Pater Alejandro: "Ich bin dir dankbar, aber denk auch daran, dass ihr Salesianer ebenfalls ein Erdbeben erlebt habt." Kurz darauf überkamen Pater Alejandro mitten im Gottesdienst die Tränen. Das Erdbeben hatte auch bei ihm tiefe Spuren hinterlassen.

Die hohe Qualität der salesianischen Berufsbildungszentren ist auch im Nahen Osten allgemein anerkannt – bei gleichzeitig sehr niedrigen Schulkosten. Junge Menschen mit dem Abschluss  eines Don Bosco Zentrums haben große Chancen auf einen guten Arbeitsplatz. Auch im Heiligen Land ist es das erklärte Ziel, benachteiligten Jugendlichen einen Zugang zu Bildung und Ausbildung zu schaffen. Momentan steht aber auch die psychosoziale Begleitung und Betreuung angesichts des Krieges im Vordergrund. Dem anschließenden Bericht aus seinem neuen Dienstort Ägypten schloss Pater Alejandro eine Einladung an die anwesenden Stifterinnen und Stifter an, ihn dort zu besuchen und die Don Bosco Einrichtungen kennenzulernen. Er betonte, dass es dort aber sehr lebendig zu ginge.  Wenn am Anfang der Bibel vom „Chaos“ die Rede ist, denke er immer an den Tahrir Platz in Kairo, warnte er lachend.

Bedauerlicherweise wurde die Zeit zu knapp für seinen Bericht aus dem Libanon. Nur so viel: Auf die Publikumsfrage, in welchem Land es wohl das beste Essen gäbe, nannte Pater Alejandro überzeugt den Libanon.

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Er rundete den Abend ab mit einem Geschenk aus der Don-Bosco-Schreinerei in Bethlehem: Kunstgegenstände aus Olivenholz, gefertigt von den dortigen Jugendlichen als Geschenk für die Stifterinnen und Förderer. Unter den Geschenken befanden sich Engel, Krippen und sogar ein Lineal mit einer verschiebbaren „Mauer“. Sie hat Bezug zu der von Israel errichteten Trenn-Mauer, die auch den Weg von Bethlehem nach Jerusalem beeinträchtigt. Verschiebt man auf dem Lineal die Mauer, wird der freie Weg nach Jerusalem sichtbar. Pater Alejandro segnete die Kunstwerke abschließend mit einem arabischen Segensgebet. Mit diesem Segenswunsch schloss das Kamingespräch. Viele Teilnehmer blieben anschließend noch lange beisammen und ließen den Abend miteinander ausklingen.

Fotos: Klaus. D. Wolf

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