Don Bosco Stifterfest 2026
Wir feiern ein Jubiläum: 25 Jahre Hoffnung stiften
Zwei Tage lang wurde in Benediktbeuern sichtbar, was das Don Bosco Stiftungszentrum seit 25 Jahren ausmacht: das gemeinsame Engagement für junge Menschen.
Kamingespräch
Beim Don Bosco Stifterfest 2026 in Benediktbeuern am 8. und 9. Mai 2026 kamen Stifterinnen und Stifter, Förderer, Salesianer sowie Projekt- und Einrichtungsleitungen zusammen, die sich gemeinsam für benachteiligte Jugendliche engagieren. Den Auftakt bildet traditionell das Kamingespräch. Für die besondere Jubiläumsatmosphäre sorgte auch Moderator Tillmann Schöberl. Der BR-Journalist engagiert sich ehrenamtlich im Beirat der Don Bosco Stiftung.
Im Zentrum des Abends stand das Gespräch mit Bruder Jean-Paul Muller SDB, seit Oktober 2025 Mitglied im Vorstand der Don Bosco Stiftung. Der gebürtige Luxemburger bringt jahrzehntelange internationale Erfahrung mit: von der Jugendhilfe bis hin zu seiner Tätigkeit als Generalökonom der Salesianer Don Boscos in Rom, wo er weltweit für die Finanzen und die Verwaltung des Ordens verantwortlich war. Und dennoch begann vieles erstaunlich bodenständig. Br. Muller erzählte von seiner Herkunft aus einer Winzerfamilie, vom Leben im Rhythmus der Jahreszeiten und vom starken Zusammenhalt unter Jugendlichen in den ländlichen Regionen Luxemburgs.
Immer wieder wurde der Abend grundsätzlich. Wie steht es um die Jugend heute? Br. Mullers Antwort fiel klar aus: „Wir haben immer weniger Jugendliche, aber immer mehr Probleme.“ Besonders die Einsamkeit junger Menschen bereite ihm Sorgen. Die steigenden Suizidzahlen seien ein alarmierendes Zeichen. „Wir lassen diese Einsamkeit zu, obwohl wir nebenan wohnen“, sagte er. Auch die digitale Welt sieht er kritisch: Nicht die Jugendlichen allein seien das Problem, sondern jene Technologiekonzerne, die gezielt Mechanismen der Abhängigkeit in Apps und sozialen Netzwerken einbauen. Trotz aller Herausforderungen bleibt er hoffnungsvoll: „Ich glaube an die Fügung Gottes.“
Neue Wege
Gleichzeitig sprach Br. Muller mit großer Zuversicht über junge Menschen. Man müsse ihnen wieder mehr zutrauen. Gerade die salesianische Bewegung könne dabei neue Wege eröffnen. Vielleicht würden klassische Klöster und Orden in 50 Jahren verschwunden sein, sagte er offen. Doch die Idee Don Boscos werde weiterleben – möglicherweise in ganz neuen Formen. „Panta rhei – alles ist im Fluss.“
Auf die Rolle von Stiftungen angesprochen, betonte Br. Muller nicht zuerst das Finanzielle, sondern das Nachhaltige und Kulturelle: Stifterinnen und Stifter brächten Ideen, Haltung und Verantwortung ein, Gemeinschaft sei entscheidend. Sein Bild dafür sind die drei Musketiere. „Einzeln beeindruckend – zusammen richtig stark.“
Talk & Töne
Für die besondere Atmosphäre des Abends sorgte schließlich auch die Musik: Die bayerische Band Luz Amoi verband Weltmusik, Heimatsound und Nachdenklichkeit auf überraschend stimmige Weise mit dem Gespräch auf der Bühne. Immer wieder griff Bandleader Stefan Pellmaier Gedanken aus dem Gespräch mit Br. Muller auf – nicht zuletzt deshalb, weil die Musizierenden selbst als Lehrerinnen und Lehrer mit Jugendlichen arbeiten und viele der angesprochenen Themen aus ihrem Alltag kennen.
Ein Familienfest im Kloster
Auch am nächsten Stifterfesttag sollte Musik eine prägende Rolle spielen: Die Kosterband „Giovanninis“ spielte nicht zum ersten Mal beim Stifterfest auf. Zum Auftakt des zweiten Stifterfest-Tags begrüßte Pater Claudius Amann die Gäste mit dem Hinweis, dass der jüngste Teilnehmer zehn Jahre alt sei, der älteste 93. Wie in einer großen Familie, nur eben einer „Stifterfamilie“. Er griff die drei Grundprinzipien Don Boscos– Liebenswürdigkeit, Vernunft und Religion – auf und übersetzte sie in moderne Begriffe: Herz, Haltung und Hoffnung. Diese Hoffnung präge auch das Jubiläumsmotto: „25 Jahre Hoffnung stiften.“
Per Videobotschaft richtete anschließend Ilse Aigner, Präsidentin des Bayerischen Landtags, ihre Grüße an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Sie würdigte das gemeinsame Engagement aller Beteiligten: „Bei Don Bosco ziehen alle an einem Strang.“ Stiftungen schafften Verlässlichkeit und gäben jungen Menschen Chancen, die sie sonst vielleicht nie erhalten würden. Wie bereits Bruder Jean-Paul Muller am Vorabend betonte auch sie, dass man jungen Menschen wieder mehr zutrauen müsse.
Anschließend blickte Pater Stefan Stöhr auf 25 Jahre Stiftungszentrum zurück. Er stellte die eigens eingerichteten Jubiläumsseite www.donbosco.de/25-jahre-hoffnung-stiften vor, die mit Zitaten von Wegbegleitern, Videos, Zahlen und schönen Momenten die 25 Jahre Stiftungszentrum veranschaulicht. P. Stöhr zitierte Don Bosco: „Was nützt es, die Übel zu beweinen? Viel besser ist es, mit allen Mitteln zu versuchen, sie zu beseitigen.“ Dieser Gedanke zog sich durch viele Beiträge des Tages: Probleme nicht nur beschreiben, sondern konkret handeln und Hoffnung ermöglichen.
Ein Brief von Don Bosco
Einen besonderen Akzent setzte Provinzial Pater Reinhard Gesing. Statt einer klassischen Ansprache las er einen fiktiven Brief Don Boscos aus dem „Valdocco im Himmel“ an die heutigen Stifterinnen und Stifter vor – humorvoll, persönlich und zugleich wertschätzend. Der Brief endete mit den Worten: „Ich erwarte euch alle im Himmel.“
Anschließend begrüßte Pater Gesing die neuen Stifterinnen und Stifter in der Stifterfamilie. Seit dem letzten Stifterfest waren mehrere neue Stiftungen und Zustiftungen entstanden – ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Idee des gemeinsamen Engagements weiter wächst.
Wenn sich Kräfte addieren
Wie eng Stifter und Einrichtungen zusammenarbeiten, wurde bei den folgenden Gesprächsrunden deutlich. Unter dem Motto „Wenn sich Kräfte addieren“ traten Stifterinnen und Stifter gemeinsam mit Pädagogen und Bereichsleitungen auf die Bühne.
Karl-Heinz Kreissl schilderte beispielsweise die Geschichte seiner Stiftung, die er gemeinsam mit seiner Frau im Gedenken an ihren Sohn und dessen Frau gegründet hat. Gemeinsam mit Michael Gärtner aus Don Bosco Sannerz sprach er über die Arbeit mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen. Gärtner schilderte eindrucksvoll, wie wichtig auch ungewöhnliche Projekte seien – etwa ein „grünes Klassenzimmer“ im Wald. „Wenn wir die Stiftung nicht hätten, wäre das nicht finanzierbar“ sagt Gärtner. Kreissl ist vom Stiften überzeugt: „Es ist gut angelegtes Geld. Ich kann nur jedem empfehlen, es ebenso zu tun. Es ist sehr befriedigend zu erleben, wie sehr Jugendlichen dadurch geholfen wird.“
Dass eine Stiftung ein echtes Familienprojekt sein kann, zeigte die Krautbauer-Erkelenz Stiftung von Sieglinde Grünwald. Seit zehn Jahren unterstützt die ganze Familie über die Stiftung die Schülertagesstätte Oratorium in München – in dem Stadtteil, in dem auch die Familie zuhause ist. Cousins, Kindern, Enkel – alle machen mit. „Es ist ein richtiges Familienprojekt“, sagte ihre Tochter Patrizia Straßer, die im Stiftungsvorstand ist. Sieglinde Grünwald formuliert es so: „Die Liebe schwappt über.“
Anna-Lena Koalick aus dem Oratorium machte deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Stiftungen geworden ist. Ohne ihre Unterstützung seien viele Angebote kaum möglich – von Mittagessen über Ferienprogramme bis hin zu individueller Förderung. Daher schätze sie den direkten Austausch beim Stifterfest besonders.
Junges Förderengagement
Für spontane Begeisterung sorgten kurz vor der Pause zwei Firmlinge, die gemeinsam 500 Euro an den Pater-Peter-Boekholt-Jugendfonds spendeten – selbst verdient durch den Verkauf von Kuchen und Kerzen. Das Publikum zeigte ihren Respekt mit herzlichem Applaus, und Wolfgang Altenrath von der PAX Bank versprach, die Bank werde die Summe verdoppeln – als Anerkennung für das Engagement der Jugendlichen.
Blick auf 25 Jahre
Danach wurde es nostalgisch: Mit Anekdoten aus zweieinhalb Jahrzehnten blickten Weggefährten auf die Geschichte des Don Bosco Stiftungszentrums zurück. Immer wieder fiel dabei der Name Pater Herbert Bihlmayer, Gründervater und prägende Persönlichkeit des Don Bosco Stiftungszentrums, der 2024 verstorben war. Die Erinnerungen waren humorvoll und zugleich voller Wertschätzung.
Pater Stöhr brachte schließlich auf den Punkt, was das Don Bosco Stiftungszentrum ausmacht:
„Was unterscheidet uns eigentlich von anderen? Es ist das pastorale Anliegen.“ Stifterfamilie zu sein, bedeute eben mehr als Vermögensverwaltung. Dazu gehörten Begegnungen, gemeinsame Reisen, Besuche in Einrichtungen, Gespräche und gegenseitige Begleitung – in schönen wie schweren Zeiten.
Manege frei
Für Abwechslung sorgte danach der Zirkus Giovanni aus Bamberg. Der junge Artist Bilal begeisterte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Diabolo-Kunststücken, Balance-Akten, Gedankenlesen und einer großen Prise Humor. Gemeinsam mit Zirkusdirektor Volker Traumann, dem pädagogischen Leiter des Zirkus Giovanni, vermittelte der Auftritt zugleich einen Eindruck davon, wie Zirkuspädagogik junge Menschen stärkt und fördert.
Globales Engagement
Zum Abschluss weitete sich der Blick noch einmal über Deutschland hinaus. Gemeinsam mit Dr. Nelson Penedo von der Don Bosco Mission Bonn berichteten Stifterinnen und Stifter von weltweiten Projekten und Begegnungen. Besonders anschaulich erinnert sich Dr. Werner Korb an einen Einsatz in Laos: Da man sich sprachlich kaum verständigen konnte, habe er kurzerhand seine Mundharmonika hervorgeholt – und schließlich sangen alle gemeinsam „Stille Nacht“, mitten im Juli. Ein kleiner Moment, der zeigte, wie Begegnung auch ohne gemeinsame Sprache gelingen kann.
Auch von den Philippinen erzählte das Ehepaar. Während der Corona-Zeit unterstützte Birgid Korb eine Don-Bosco-Einrichtung vor Ort, unter anderem dabei, Hygienemaßnahmen und Schutz vor Ansteckung zu vermitteln. Als Werner Korb, der in der Nähe eingesetzt war, sie dort besuchen wollte, wurde ihm wegen der gefährlichen Gegend dringend davon abgeraten. Schließlich erhielt er einen ungewöhnlichen Rat: Er solle einfach laut „Don Bosco“ rufen, dann würden die Menschen ihn beschützen. Dr. Nelson Penedo griff diesen Gedanken auf: Don Bosco sei überall dort präsent, wo Menschen Hilfe und Hoffnung brauchen – selbst an Orten, die andere längst aufgegeben hätten. Egal, wie schlimm die Situation ist, die Salesianer sind vor Ort, um Räume der Zuflucht und des Vertrauens zu schaffen.
Anschließend stellten Dr. Paul Klein und Dr. Brigitte Gerstenlauer ihre noch junge BIG Stiftung vor, die internationale Projekte zur Förderung von Mädchen und jungen Frauen unterstützt. „BIG steht für ‚Boost the Independence of Girls‘ – also: die Unabhängigkeit von Mädchen stärken“, erklärte Dr. Klein. Dr. Gerstenlauer ergänzte, wie wichtig Bildung und weibliche Vorbilder für gesellschaftliche Veränderung seien. Schon eine einzige Rikscha-Fahrerin unter hunderten Männern falle auf – und könne damit beginnen, gesellschaftliche Rollenbilder zu verändern
Kunst & Klang
Das Stifterfest klang schließlich im Barocksaal des Klosters aus – dem Ort an dem die Don Bosco Stiftung im Jahr 2001 gegründet wurde. Pater Heinz Menz führte die Gäste durch die kunsthistorische Bedeutung des prachtvollen Raumes. Dass der Programmpunkt den Titel „Kunst & Klang“ trug, war dabei kein Zufall: Zum Abschluss des Jubiläumswochenendes sorgte die Familienmusik Gruber noch einmal für einen stimmungsvollen musikalischen Ausklang.
Nächstes Stifterfest am besten gleich vormerken: 23./24. April 2027 im Kloster Benediktbeuern.
Fotos: Klaus D. Wolf
